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Ausgewählte Gedichte und Kurzgeschichten in Text

Fiktive Tiergespräche – 1. Gedicht (Katze/Vogel)

 

(22.07.2017)

 

Katze, die vor einem Vogelbauer sitzt

 

schaut gespannt, die Ohren gespitzt;

 

Gedanken der Tiere sind uns unerfassbar,

 

doch Tiere denken, das ist bestimmt wahr,

 

ebenso zeigen das auch  ihre Reaktionen

 

und ich denke schon, es würde sich lohnen

 

mit unseren Gedanken zu interpretieren

 

welche Gespräche die Tiere hier führen?

 

 

 

Beginnen wir mit der Katze,

 

die hebt ab und zu ihre Tatze.

 

Imaginär hören wir sie dabei sagen:

 

„Vogel, solltest du es mal wagen

 

deinen Käfig doch zu verlassen

 

könnte ich dich mit Krallen fassen.

 

Eigentlich kann ich es nicht verstehen,

 

nur durch Gitterstäbe kann ich dich sehen

 

und klar ist mir in diesem Falle nich´,

 

hat man dich eingesperrt oder mich?

 

 

 

Wir müssen immer und immer

 

ausharren in diesem Zimmer,

 

artgerecht wäre aber unser Leben nur

 

auch bei Aufenthalt in der freien Natur,

 

wir könnten es uns dann selbst einteilen:

 

Wollen wir hier oder draußen verweilen?

 

Aber die Menschen, das denke ich schon,

 

haben Vorteile durch unsere Domestikation.

 

Sie halten uns in Garten, Hof und Haus,

 

zu ihren Vergnügen  nutzen sie uns aus.

 

 

 

Ich höre, die Leute rufen dich Hansi hier,

 

den Katzennamen Putzi gab man mir.

 

Tierfreunde scheinen diese Menschen zu sein,

 

ich sehe, in der Stube ist sogar ein Schwein,

 

z. Zt. noch ein Ferkel und ganz niedlich,

 

ist es als großes Tier auch noch so friedlich?

 

Meerschweinchen, Mäuse und ein Hund

 

tun ihre Anwesenheit ebenfalls kund,

 

wobei mich besonders Hundebellen stört,

 

denkbar, er ist über mein Hier -sein empört.

 

 

 

Ich beneide diese Tierbesitzer darum nicht,

 

wir verschiedenen Arten nehmen sie in die Pflicht.

 

Sie bemühen sich uns aneinander zu gewöhnen

 

aber wir sind teilweise nur schwer zu versöhnen.

 

Deshalb würde ich Katze gern auch erfahren,

 

Hansi, siehst Du von mir ausgehende Gefahren?“

 

Der Vogel beginnt seinem Herzen Luft zu machen:

 

„Ich merke und  dabei ist mir nicht zum Lachen,

 

dein Umgang mit Vögeln ist nicht nur Spiel,

 

uns zu fressen ist sehr oft auch das Katzenziel.

 

 

 

Dein Blick ist harmlos, täuscht Friedliches vor,

 

doch das ist Absicht, dein lauschendes Ohr

 

verrät gespannte volle Aufmerksamkeit.

 

Zu fangen, was sich bewegt, bist du immer bereit.

 

Ihr Katzen habt vermutlich einen Jagdinstinkt,

 

seid glücklich, zufrieden wenn es euch gelingt

 

uns, besonders aber Mäuse und alles kleine Getier

 

zu quälen und zu fressen mit großer Gier.

 

Warum musstet ihr aber uns als Beute auswählen?

 

Da doch Federn nicht zu euren Delikatessen zählen.

 

 

 

Außerdem kritisiere ich euer Jagdverhalten,

 

da sehe ich euch nicht an Naturgesetze halten.

 

Ohne Hunger zu haben, ohne Not, tötet ihr auch,

 

so ist es auch bei habgierigen Menschen der Brauch.

 

Ihr lasst nutzlos im Spiel getötete Tiere liegen,

 

gut, dass diese meistens andere Hungrige kriegen.

 

Schändlich ist hier auch menschliches Verhalten,

 

Abfälle werden logischer Nutzung vorenthalten.

 

Darum sage ich dir hier auch frei und kurzum:

 

Ihr Raubtiere bringt uns Vögel zuweilen sinnlos um.“

 

 

 

Jetzt kann Putzi den Mund nicht mehr halten,

 

antwortet auf die Anschuldigungen ungehalten:

 

„Da wollen wir doch mal einiges richtig stellen:

 

Unser Jagdverhalten als hinterlistig darzustellen,

 

grenzt schon an eine gewisse Überheblichkeit

 

und das hinzunehmen bin ich nicht bereit.

 

Deine Meinung stimmt nicht vorn und hinten,

 

in der Natur lassen sich viele Raubvögel finden,

 

die werden manchmal sogar für uns eine Gefahr,

 

ihnen zum Opfer fallen Katzen Jahr für Jahr.

 

 

 

 

 

Ihr fresst nicht Samen- und Pflanzenkörner allein,

 

dazu sollen es auch Insekten und Würmer sein

 

und wenn ihr diese so hinterhältig verschlingt,

 

hörte ich nie, dass ihr dazu ein Sterbelied singt.

 

Dein kleines Spatzenhirn, das merke ich sehr,

 

stellt hier nicht richtige Zusammenhänge her.

 

Konflikte, die zwischen Tierarten entstehen

 

sind als Auseinandersetzungen  anzusehen,

 

bei denen man die gleichen Beutetier jagt

 

gegenseitig sich aber das Recht darauf versagt.

 

 

 

Zwischen uns ist noch vieles zu besprechen,

 

denke aber, dass wir hier zunächst erst mal abbrechen.

 

Die Familie, zu deren Besitz wir angeblich gehören,

 

müsste sich unsere  weiteren Gespräche anhören,

 

dann könnte sie die Probleme auch erfahren,

 

die schon immer beim Zusammenleben strittig waren.

 

(Fortsetzung folgt)

 

 

 

Träume

 

Die Wissenschaft muss weiterhin einräumen,

viel Unbekanntes gibt es noch über das Träumen.

Dabei ist manch Erwachendem oft nicht klar,

waren seine Träume Trugbilder  oder wahr?

 

                                                                      Was Tiere sich wünschen

 

Beherrschten Haustiere unsere Sprache, könnten wir sie fragen:

„Was würdet ihr zu unserem richtigen Umgang mit euch sagen?“

Ihre übereinstimmende Antwort wäre klar, ganz allgemein:

„Lasst uns eure Mitgeschöpfe, dabei aber immer Tiere sein.“

Die Sonne bringt es an den Tag

 

Leider gehört die Kuroption

heute häufig schon zum guten Ton.

Vermutlich findet die Sonne, unser Klärchen,

diese sogar  beim bejubelten Sommermärchen.

 

 

Abschiebung - einmal anders

 

Beim mit warmen Händen geben

 

kann man Freude selbst mit erleben;

 

das ist besser als nach dem Sterben,

 

wenn man nicht dabei sein kann beim Vererben.

 

So dachte sich ein alter betuchter Mann,

 

der deshalb alles zu verschenken begann.

 

 

 

Da ging die Ehe des Sohnes entzwei

 

und mit der Altersfreude war es vorbei,

 

eine neue Schwiegertochter  kam,

 

die selbst in Regie jetzt alles nahm;

 

aus dem schon überschriebenem Haus

 

sollte der Alte nun ganz schnell hinaus.

 

 

 

Da war er im Leben schon immer schlau,

 

nun wollte ihn überlisteten diese Frau.

 

Der Schenkungsvertrag ihm ja bot

 

absolutes Wohnrecht bis zum Tod,

 

deshalb hat der Senior darüber sinniert,

 

wie er gegen geplanten Rauswurf pariert.

 

 

 

Er bot an, umzuziehen in ein Altenheim,

 

das er sich sucht selbstständig, geheim.

 

In einem Vertrag wollte er festgelegt wissen,

 

dass Sohn und Frau aufkommen müssen

 

für alle Kosten, die dort laufend entstehen

 

und über das von ihm zu Erbringende gehen.

 

 

 

Als der Vater das bestimmte Heim ihnen zeigte,

 

sich der Zeiger in andere Richtung neigte.

 

Die jungen Leute rechneten hin und her,

 

von Abschiebung war  keine Rede mehr,

 

denn sie mussten sich doch gestehen,

 

Heimunterbringung würde so nicht gehen.

 

 

 

Entscheidungen bestimmten auf der Welt

 

letztlich auch wieder einmal das Geld,

 

denn die Rente des Seniors war außerdem

 

für Hausreparaturen immer ganz angenehm.

 

Diese Geschichte, die tausendfach bekannt,

 

ist mentalitätsbedingt im deutschen Land.

 

 

Chefin und Chef

  

Bist du als junger Boss autoritär,

denkst sehr schnell du bist auch wer

und du sollst junge Leute anleiten,

die später auch  Positionen begleiten,

dann denke dabei immer auch daran,

dass mancher dein Chef werden kann.

Bald hätte ich es doch vergessen -

das wäre von mir ganz vermessen -

unbedingt sei auch die Chefin genannt.

Es wurde weggelassen: Bossin ist nicht bekannt.

Man lasse diese billige Ausrede bitte gelten,

in meiner Jugend waren Chefinnen selten.

 

Der Donnerbalken

 

Der Donnerbalken, ein Begriff, den die junge Generation kaum noch kennt. Ich kam vor 75 Jahren mit diesem Hilfsklo als Pimpf der Hitlerjugend in Kontakt. Wir wurden damals schon als Kinder auf das Kriegsspiel vorbereitet und hierfür waren die bei uns beliebten Zeltlager sehr geeignet. Beim Aufbau dieser Lager gehörte als erstes dazu, einen Graben auszuheben und darüber einen festen glatten Balken in Sitzhöhe zu installieren. Das waren der Donnerbalken und damit die Kloanlage für das Zeltlager, wie sie aus dem 1. Weltkrieg  für die Soldaten bekannt waren. Wenn gerade mehrere ihre Bedürfnisse erledigen mussten, saß man dort freizügig neben einander. Ich selbst genierte mich immer ein wenig, wenn ich mit entblößtem Unterkörper selbst neben Jungen sitzen musste. Da waren mir die Plumpsklos als Einzelkabinen, wie wir sie auf unserem Bauernhof hatten, doch angenehmer. Hier will ich gleich einfügen, dass ich als Kind mich auch nicht gern in Feld, Wald und Wiese, „zum großen Geschäft“, wie wir den Stuhlgang auch nannten, hinhockte. Wenn wir z . B. auf den ca. 1 km von unserem Haus entfernten Feld arbeiteten und ich musste mal groß, dann lief ich dazu sogar nach hause. Ich hatte immer Angst mich dabei zu verschmutzen und die Hockstellung fiel mir ebenfalls schwer.

 

Zurück zum Donnerbalken im Zeltlager, da erinnere ich mich an ein schauerliches Vorkommnis. Wahrscheinlich durch Nahrungsmittel verursacht war bei fast allen Jungen  eine Durchfallerkrankung aufgetreten. Selbst in der Nacht waren oftmals alle Plätze auf dem Donnerbalken besetzt. Ein Junge, der den Druck im Po nicht mehr aushielt, entledigte sich schon seiner Hosen, rannte im Finsteren dorthin, fand keinen freien Platz, hockte sich auf die Oberschenkel eines auf dem Balken Sitzenden und ließ allen Herauswollenden freien Lauf. Schnell und in der Dunkelheit unerkannt rannte er wieder davon. Der Geschädigte und die Anderen, durch die heruntergelassenen Hosen behindert, vermochten ihn nicht sofort und schnell zu verfolgen. Unbeschreiblich die Mühe, die der arme Junge hatte, um die stinkende Masse wieder aus seinen Hosen zu bekommen und alles wieder zu säubern. Er meldete den Vorfall und am nächsten Morgen war Appell mit der Aufforderung, dass sich der Übeltäter meldet. Niemand bekannte sich, deshalb das Fazit für alle, ein Strafexerzieren u. a. mit der bekannten Übung auf dem Bauch durch Schlamm robben. 

 

So blieb mir der Donnerbalken als ein schreckliches Klo in Erinnerung.

 

Gespräch über den Zaun

 

Ernst Woll und Volker Altmann lebten drüben, aber jeder auf einer anderen Seite der Grenze zwischen der BRD und der DDR. Im Verlauf einiger Diskussionen auf Spiegel-Online lernte man sich näher kennen, schrieb sich auch privat. Fragen tauchten auf. Fragen über einen Zaun, der Familien trennte. Aber auch Fragen „über den Zaun“, deren Antworten dem gegenseitigen Verstehen dienen sollen.

 

 

v.a.: Herr Woll, wie haben Sie den Moment empfunden, als ihnen klar wurde, dass Deutschland (auf lange Sicht) ein geteiltes Land bleiben wird?

 

e.w.: Einen direkten Moment, an dem ich in der DDR empfand, dass die Teilung Deutschlands zementiert war, kann ich nicht nennen, es war ein sich entwickelnder Erkenntnisprozess. Retrospektiv meine ich, dass ich bis Ende der 1950er Jahre glaubte, dass eine Wiedervereinigung Ost- und Westdeutschlands möglich sei; danach nicht mehr. Wobei nach meinem Empfinden damals aber auch der Westen gar nicht an einer deutschen Einheit interessiert war.

 

v.a.: Welche Erlebnisse verstärkten Ihre Meinung, dass die Teilung  unumkehrbar sei?

 

e.w.: Persönliche Erfahrungen ließen mich ab Mitte der 1960er Jahre erkennen, dass es wohl auf lange Sicht keine Rückkehr zu einem einheitlichen Deutschland gibt; das leitete ich aus eigenem Erleben ab: Es war unerwünscht, dass ich als Mitarbeiter in einer Bezirksverwaltung (war ich bis Mitte der 1960er Jahre) – nach bundesdeutschem Sprachgebrauch Angestellter im öffentlichen Dienst - Verbindung zu Bekannten in der BRD aufrecht erhielt Die Karriereleiter als Amtsträger konnte nur derjenige erklimmen, der sich schriftlich zum Abbruch aller diesbezüglichen Beziehungen verpflichtete. Eine solche Vereinbarung griff zwangsläufig in das zutiefst private Gefüge jeder betroffenen Familie ein, war doch mit dem im Sommer 1961 vollzogenen Bau des „antifaschistischen Schutzwalls“ – so die DDR-Vokabel -  nicht automatisch die Tante jenseits der Grenze „gestorben“. Auch der vor dem Mauerbau zwar illegale aber noch mögliche Aufbruch in den Westteil des Landes überzog Gesamtdeutschland mit einem dichten Netz verwandt- und  freundschaftlicher Beziehungen. Mir wurde übrigens nie genau bekannt, für welche Funktionen und Ämter in Partei, Staat und Wirtschaft die Verpflichtung „Westbeziehungen abzubrechen“ galt. Eine Verordnung hierüber habe ich nie gesehen und meines Erachtens oblag dies der Willkür der jeweiligen Leiter und Vorsitzenden der Behörden, Institutionen und Betriebe.

 

v.a.: Galt diese Unterschrift für die gesamte Zeit in der Sie in der DDR lebten?

 

e.w.: Nein, wie sonst ist zu erklären, dass ich in der Folge meiner beruflichen Laufbahn in den unterschiedlichen Bereichen eine sehr ungleiche Handhabung dieser Regelung erfahren habe. Die Bezirksbehörde, in der ich bis 1965 tätig war, hielt sich sehr streng an die verordnete Restriktion. Das wissenschaftliche Institut, meine berufliche Heimat bis 1973, hat mir und meinen Kollegen keine Auflagen erteilt. Der Direktor des Fleischkombinates Erfurt, in dem ich dann als Cheftierarzt tätig war, untersagte schlichtweg jegliche Kontakte in die BRD.

 

v.a.: Herr Woll, wie sind Sie mit dieser Verpflichtung des Beziehungsabbruches  umgegangen?

 

e.w.: Trickreich und phantasievoll haben wir diese manifestierte „Willenserklärung“ unzählige Male umgangen. Über die Eltern, die Rentner waren, oder keine staatlichen Funktionen hatten, wurde Post und Besuch der Westverwandtschaft organisiert. Keine gute Schule für unsere Kinder, die wir damit schon anhielten, oft die Unwahrheit zu sagen.

Ich war traurig über diese Einschränkungen meines persönlichen Lebens, fand mich aber schließlich damit ab, weil ich lange Zeit hoffte, dass sich auch in der DDR vielleicht „Vernunftpolitiker“ durchsetzen und unser Staat weltoffener wird. Diese Hoffnung begrub ich gänzlich Anfang der 1980er Jahre, als sich die DDR so deutlich von den Ereignissen in Polen und der Sowjetunion distanzierte, wo die  Bestrebungen für mehr persönliche Freiheiten für die Bürger nicht mehr auf unüberwindlichen Widerstand der führenden Politiker dieser Staaten stieß.

 

Herr Altmann, Sie erlebten diese Anfangsjahre nach der Gründung der BRD als Kind, wünschten Sie sich eigentlich damals ein einheitliches Deutschland?  

 

v.a.: Es gab Menschen im Land, die ein regelrechtes Feindbild angenommen hatten. Der Soldat in NVA-Uniform stand bei ihnen für das Bild vom DDR-Bürger, mit „denen“ wollten sie nie mehr etwas zu tun haben. Andere empfanden Mitleid, schließlich lebten nach ihrer Ansicht die Ostdeutschen wie in Kerkerhaft, eingesperrt hinter einem Zaun, der Versuch der Republikflucht (ein seltsamer Begriff) endete oft tödlich - und überall war die Stasi. Als Jugendlicher hatte ich nicht viel Hoffnung, dass es wieder zu einem einheitlichen Deutschland  kommen würde. Gewünscht habe ich es mir schon, aber man lebte in dieser Zeit mehr mit der Angst, dass das Szenario Fulda Gap Realität werden könnte. Die Nato rechnete in einem Ernstfall mit dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts am Fulda Gap, der Fulda-Lücke, einem Durchlass zwischen zwei Mittelgebirgen östlich von Fulda. In diesem  Fall wäre es von amerikanischer Seite zum Einsatz taktischer Atomwaffen gekommen. Eine deutsche Einheit schien entfernter denn je. Ich glaubte, dass der überwiegende Teil der Westdeutschen die Einheit wollte. Umso mehr war ich überrascht, wie schnell die Stimmung schon während der Wende gekippt ist. Als die Einheit plötzlich machbar erschien, begann bei sehr vielen der Katzenjammer über die Kosten einer Wiedervereinigung. Die „Schwestern und Brüder aus dem Osten“ wurden zum reinen Kostenfaktor degradiert. Eine Stimmung, die bei vielen bis heute anhält. Umgekehrt dürfte auch der „Besserwessi“ noch in vielen Köpfen vorhanden sein.

 

e.w.: Können Sie als ein Mensch, der sich nicht mit diesen Problemen plagen musste, dieses  Verhalten vieler Bürger gegenüber der rigiden Maßnahmen des Staates DDR verstehen?

 

v.a.: Manches kann man wohl erst ganz nachvollziehen, wenn man selbst davon betroffen ist. Die Sorge um die Familie etwa kann vieles von dem unterdrücken, was man aus sicherer Entfernung als Reaktion des Widerstandes erwarten würde. Wer auf der Westseite des Zauns gelebt hat, kann sicher nicht sagen, wie sein Leben auf der anderen Seite verlaufen wäre. Ich habe viele Menschen aus der ehemaligen DDR kennengelernt, die von der Sache an sich überzeugt waren, aber – wegen der fatalen Umsetzung der Idee - im Nachhinein froh sind, dass es zur Wiedervereinigung gekommen ist. Aber ich kenne auch Ostdeutsche, die enttäuscht sind von dem, was ihnen der Mauerfall gebracht hat.  Mir liegt nicht daran diese Haltung zu verurteilen, das steht mir nicht zu. Wer als alter BRD' ler hier den Vorwurf anbringt, es würde sich nur um Ewiggestrige oder ehemalige Funktionäre handeln, die so denken, liegt meiner Meinung nach falsch. Wenn sich vierzig Jahre lang ein Heimatgefühl entwickelt hat, kann das nicht jeder gleich schnell ablegen. So wie noch heute nicht jeder alte BRD' ler bereit ist, einmal den Osten der Republik zu bereisen, weil er diesen Teil nicht als sein Deutschland empfindet. Der Westbürger hatte schon immer alle Freiheiten. Und doch traut er sich nur selten aus seiner Deckung, lässt den Staat gewähren, Demonstrationen sind ihm eher fremd, vor einer Uniform hat auch er Respekt. Nein, ich glaube nicht, dass man sich in punkto Duldsamkeit über unsere Mitbürger aus den neuen Bundesländern erheben darf und alle in der DDR die großen Widerständler geworden wären.

 

 

e.w.: Herr Altmann, mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, ob Sie auch in den alten Bundesländern Menschen kennen lernten, die in ähnliche Zwangslagen gebracht wurden?

 

v.a.: Schwierigkeiten bekamen etliche Bundesbürger mit dem Radikalenerlass, der schon im Verdachtsfall einer linken Gesinnung - nicht nur bei konkreter Mitgliedschaft in einer kommunistischen Partei - zum Berufsverbot im öffentlichen Dienst führen konnte. Diesen Erlass muss man allerdings auch im Zusammenhang mit den Umtrieben der RAF sehen. Willy Brandt hat den Radikalenerlass später als Fehler seiner Regierung bezeichnet.

Einschränkungen für eine Einreise in die DDR gab es von westlicher Seite nur bei Geheimnisträgern, wie etwa Bundeswehrsoldaten. Eine Fahrt nach Berlin-West mit Besuch von Berlin-Ost gehörte zum Ausflugsprogramm vieler Schulklassen.

 

Herr Woll, von einer freien Presse konnte man in der DDR ja nicht sprechen, auch die Aktuelle Kamera kann man sicher nicht mit den Nachrichtensendungen in der BRD vergleichen. Woher nahmen Sie Ihre Informationen?

 

e.w.: Unsere Meinungsbildung (auch durch Gespräche mit guten Bekannten) entstand durch Nachrichten des West- Rundfunks und -Fernsehens im Vergleich zur Berichterstattung der Ostmedien. Erfreulicher Weise gab es hierfür keine Sperre, die Interpretation von hüben und drüben zu erfahren, empfanden wir als großen Vorteil. Wir zweifelten aber am Wahrheitsgehalt beider Seiten. Deshalb sahen wir es auch als Heuchelei an, dass in den DDR-Medien immer wieder betont wurde: „Die Sowjetunion will einen Friedensvertrag mit Deutschland abschließen und die Einheit Deutschlands, aber dieses Vorhaben wird seitens der Westmächte einschließlich BRD hintertrieben.“

Im Übrigen gefiel uns auch nicht, wenn wir in den Westmedien immer als arme Schwestern und Brüder in der Zone bezeichnet wurden.

 

v.a.: Empfinden Sie es im Rückblick als eine Art Makel, in der Partei gewesen zu sein? Sie stehen offen dazu, andere meiden eine solche Aussage wie der Teufel das Weihwasser. Auch nach dem Ende der Nazidiktatur gab es ja plötzlich niemand mehr, der  Mitglied der NSDAP gewesen war, Persilscheine waren da angesagter.

 

e.w.: Als Fehler, der einer Person anhaftet, empfand ich meine SED-Mitgliedschaft besonders ab Ende 1989, als viele Genossen, die sich bis dahin als überaus aktive Mitglieder präsentiert hatten, plötzlich ohne Begründungen aus der Partei austraten. Ich tat dies dann jedoch auch, erstens ärgerte ich mich über diese Heuchler, die nicht meine Gleichgesinnten gewesen sein konnten und zweitens war ich bitter enttäuscht über die vielen aufgedeckten Skandale der Parteiführungen in der DDR, aber auch in den anderen sozialistischen Ländern, die mir tatsächlich in diesem Ausmaß nicht bekannt waren.

v.a.: Wie reagieren Menschen aus Ihrem Umfeld auf Ihre ehemalige Parteizugehörigkeit?

e.w.: Nach meinen Erlebnissen gab es in der DDR fast keinen Menschen, der sich völlig aus den Zwängen dieses Regimes heraushalten konnte oder auch wollte. Passionierte Jäger wurden Genossen, um eine Jagdwaffe zu erhalten, andere flüchteten in Blockparteien, um der SED Mitgliedschaft zu entgehen, einige machten Zugeständnisse, um in westliche Länder reisen zu dürfen und, und, und… Auch in der DDR-Zeit hatte ich in meinem Bekannten- und Kollegenkreis einige „Nicht – mitmachen – wollende“ oder auch solche, die sich mit Erfolg von allen verfänglichen oder politischen Verpflichtungen fern halten konnten. Ich habe niemals ihr Vertrauen missbraucht. Einige dieser Landsleute übernahmen nach der Wende verantwortliche Positionen, sie achteten mich weiterhin als Mensch, Parteizugehörigkeit spielte keine Rolle. Eine heute hohe Ministerialbeamtin, in der DDR meine Mitarbeiterin – CDU Mitglied –, sagte mir kürzlich als ich ihr zum Geburtstag gratulierte: „An Ihnen als Chef habe ich immer ihre Zuverlässigkeit geschätzt.“ Ich habe nach der Wende offen meine beruflichen Erfahrungen in niederen Leitungsebenen als ich sie in der DDR inne hatte, zur Verfügung gestellt.

v.a.: Hatten Sie anfangs – oder auch im späteren Verlauf - Zweifel daran, dass die Deutschen für den Sozialismus gemacht sind? Immerhin war das eine radikale Abkehr von allem, was es in Deutschland bisher an politischen Systemen gegeben hat.

 

e.w.: Für mich und ich weiß, auch für meine Schulkameraden, war es in der Nachkriegszeit sehr schwer, in den Nachrichten, die uns von West und Ost berieselten, zwischen Wahrheit oder Lüge zu unterscheiden. Einerseits war uns sympathisch, dass durch den Sozialismus die großen Unterschiede zwischen „reich und arm“ abgeschafft oder zumindest stark reduziert werden sollten; andererseits befürchteten wir, dass die westlichen Politiker recht bekämen, die behaupteten, dass die Kommunisten ganz gewaltig in das persönliche Eigentum aller Menschen eingreifen würden. Haus- und selbst kleinster Grundbesitz könnten dann weggenommen werden. Für uns auf dem Lande spielte das eine große Rolle, denn eigenes Haus mit Garten war das erstrebenswerte Ziel für alle Familien. Die Ansicht: „Ein Mann muss in seinem Leben ein eigenes Haus bauen, einen Baum pflanzen und einen Erben zeugen“ wurde in meiner Jugendzeit oft zitiert.

Die aus der Sowjetunion heimkehrenden Kriegsgefangenen berichteten außerdem, dass es dort  keinen Privatbesitz mehr gäbe. Erst als wir später in das Land, „wo der Kommunismus aufgebaut wurde“, reisen konnten, erfuhren wir, dass diese Aussagen nicht so absolut stimmten – auch dort gab es noch Privateigentum, das aber nicht gewerbsmäßig genutzt werden durfte.

Nach den Darlegungen in den gesellschaftspolitischen Schulungen in der Schule und im Studium bis 2. Hälfte der 1950er Jahre vermutete ich, dass sich in der DDR ein Sozialismus nach deutschem Muster entwickeln würde, dem schrieb  ich durchaus   einen gewissen Erfolg zu. Mir war z. B. sympathisch, dass besonders in der Schule auch Arbeiter- und Bauernkinder große Bildungschancen erhielten. Trotzdem kam bei uns Jugendlichen insgesamt nicht die gleiche Begeisterung für die neue entstehende Gesellschaftsordnung auf, wie wir sie für das Hitlerregime empfunden hatten. Ich machte mir später oft Gedanken darüber, woran das wohl lag. Eine Ursache fand ich heraus: Die Menschen, vor allem aber die Jungen, sind sehr leicht  auf den Stolz nationaler Traditionen einzuschwören und für deren Pflege zu gewinnen. In der DDR und vorrangig in der FDJ wurden aber vor allem der Internationalismus und dabei die Rolle der Arbeiterklasse und die sowjetischen Erfolge beim Aufbau des Sozialismus betont und gepriesen. Die Begeisterung hierfür hielt sich auch bei mir und meinen Freunden in Grenzen.

Besonders ab Mitte der 1970er Jahre  musste ich erkennen, dass sich die DDR völlig vom Westen abgrenzte, damit sollte der Weg zum Sozialismus beschritten werden. Die Unterschiede zwischen den beiden deutschen Staaten schienen unüberbrückbar. Einige Beispiele:

Nach einer Verordnung des Innenministeriums der DDR wurde ab 1. Januar 1974 das Nationalitätenkennzeichen „D“ für DDR – Fahrzeuge abgeschafft und durch „DDR“ ersetzt.

1971 löste Honecker Ulbricht ab. Im gleichen Jahr fand der VIII. Parteitag der SED statt. Über die dort beschlossene „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ gab es in Versammlungen der Partei und Gewerkschaft viele Diskussionen. Positiv vermerkten wir, dass es Lohn- und Rentenerhöhungen gab und der Wohnungsbau vorangetrieben werden sollte. Andererseits spürten wir, dass der nach Stalins Tod etwas in den Hintergrund gedrängte „Personenkult“ wieder auflebte. Typisch hierfür war für mich folgendes Erlebnis während  eines Parteilehrjahres aus dieser Zeit. Der Seminarleiter stellte die Frage: „Was war das Wichtigste auf dem VIII. Parteitag der SED im Jahre 1971?“ Er verlangte die Antwort: „Erich Honecker wurde einstimmig zum Generalsekretär gewählt.

Im Übrigen war der Grundlagenvertrag von 1972 die Voraussetzung, dass DDR und BRD 1973 Mitglied der Vereinten Nationen werden konnten. Ich bekenne noch heute, dass ich damals recht stolz war, dass unser Land den Sprung in die internationale Arena geschafft hatte. Allerdings diskutierten wir auch viel darüber, dass diese Anerkennung unserem Staat viel Geld kostet und oft in Verschwendung ausartet. Es kursierte der Witz: „Womit kann man sehr reich werden? Man kauft sich eine abgelegene kleine Insel und lässt sich von der DDR als Staat anerkennen.“

In den 1970er Jahren entbrannte eine heiße Diskussion über Begriff und Inhalt „deutsche Nation“. Die Argumente der SED–Ideologen, voran das Politbüromitglied Hager, nach denen das Fortbestehen einer einheitlichen deutschen Nation verneint wurde, überzeugten mich und meine Bekannten nicht. Im Dialog hierüber musste man aber sehr vorsichtig sein, um nicht als Abtrünniger abgestempelt zu werden. Wir machten trotzdem hierüber Witze und fragten ironisch, ob künftig der deutsche Schäferhund nicht besser DDR Schäferhund heißen solle, die deutsche Eiche vielleicht besser als DDR–Eiche wächst und ähnliches. Es fiel uns schwer, dass selbst in fachlichen Veröffentlichungen das Wort deutsch weitgehend durch DDR ersetzt werden musste, obwohl das manchmal sinnentstellend war. Ein besonders eifriger Parteigänger korrigierte einmal eine Veröffentlichung von mir, in der er das „Deutsche Edelschwein“ zum „DDR Edelschwein“ umbenannte.

Insgesamt merkte ich: „Wir wollten auch im Sozialismus Deutsche bleiben und das wollte ich auch.“

v.a.: Durch ein Internetforum habe ich Menschen aus Leipzig und Berlin kennengelernt. Seit sieben Jahren treffen wir uns nun schon einmal im Jahr für ein verlängertes Wochenende, um gemeinsam Deutschland zu erleben. Rennsteig, Odenwald, Leipzig, Berlin, Dresden, Heidelberg, Schierke am Brocken waren unsere bisherigen Reiseziele. Die Mauer im Kopf wurde dabei abgebaut. Auch die Freundschaft zu einem ehemaligen Kollegen aus Schwerin, mit dem ich mich regelmäßig austausche, hat dazu beigetragen.

Es tauchte auch die Frage auf, wie lange es wohl brauchen wird, bis wirklich zusammengewachsen ist, was zusammengehört. Was im Freundeskreis funktioniert, gilt leider noch nicht für die ganze Republik. Die Nachwende-Kinder in Ost und West haben die DDR nie kennengelernt, nach meiner Erfahrung ist die ehemalige Teilung Deutschlands für sie kein Thema mehr, dass sie in Ost- und Westkategorien denken lässt. Es wird allerdings wohl noch zwei Generationen brauchen, bis „der Ossi“ und „der Wessi“ wirklich Geschichte geworden sind.

Eine abschließende Frage, Herr Woll. Wie sind Ihre Erfahrungen mit den „Schwestern und Brüdern“ aus dem Westen“? Stellen Sie eine Veränderung in den letzten zwanzig Jahren fest, hat sich ihr Bild vom Westdeutschen verändert?

e.w.: Es hat sich normalisiert und die Erkenntnis wuchs: „Es gibt wohl hüben und drüben gleichviel realistisch, vernünftig  denkende Menschen.“ Gewachsene persönliche Kontakte zwischen Menschen der alten und neuen Bundesländer haben sich, das spüre ich in vielen Fällen, gut bis hin zu Freundschaften entwickelt. Der Gedankenaustausch ist sehr sachlich geworden, man anerkennt beiderseits vorbehaltlos Leistungen und Verhaltensweisen. Vielfach sind jedoch die Verbindungen mit Verwandten oft kühler geworden, weil mache noch glauben, man würde zu wenig Dankbarkeit für die Pakete, die einst aus den Westen geschickt wurden und die damals gewährte Unterstützung aufbringen.

Die Diskussion um die deutsche Nation

 

Eine sehr heftige Diskussion

entbrannte um die deutsche Nation

als in den Nachkriegsjahren

2 deutsche Staaten entstanden waren.

 

Die DDR warb mit viel Geld

um die Anerkennung in der Welt.

Die BRD aber wollte ganz allein

Vertretung für ganz Deutschland sein.

 

Als es dann um die Namen ging

ein hochkarätiges Gerangel anfing:

Von findigen DDR – Ideologen

wurden reale Tatsachen verbogen.

 

Selbst deutsche Eichen, weltbekannt,

haben Eiferer in DDR-Eichen umbenannt

und auch das deutsche Edelschwein

sollte fortan ein DDR-Edelschwein sein.

 

Die Bürger hatten mit diesen Sachen

unermesslichen Stoff zum Lachen,

das ihnen nur immer dann verging,

wenn der Staat mit Schikanen anfing.

 

Denn das „D“ im nationalen Kennzeichen

musste der Prägung „DDR“ gleich weichen.

So durfte keiner über die Grenze fahren,

wenn „alte D – Schilder“ noch am Auto waren.

 

Die Deutsche Demokratische Republik

gestattete ihren Bürgern bei Reisen einen Blick

nur allein in die  befreundete Ostblockstaaten,

damit sie nicht in Fänge der Kapitalisten geraten.

 

Die Volkskammer fasste auch den Beschluss,

dass  „deutsche Nation“ gestrichen werden muss;

in den 1970er Jahren hat man dafür ungeniert

die Freundschaft zur Sowjetunion zementiert.

 

1990 kam in Deutschland dann die Wende,

das Gerangel um die Nation war zu Ende.

Im Ausland ist heute kaum noch bekannt:

Es gab einstmals West- und Ostdeutschland.

Rauchen abgewöhnen ist qualvoll aber nützlich

 

Als ich einst noch Zigaretten geraucht

habe ich dafür viel Geld gebraucht

und sehr häufig darüber nachgedacht,

was man mit dem vielen Zaster  macht

wenn man könnte das Laster aufgeben

und beginnen ein gesünderes Leben.

 

Siebenundvierzig Jahre  ist es nun bald,

ich war in jener Zeit 36 Jahre alt,

als ich den festen Entschluss gefasst:

Keine Zigarette wird mehr angefasst!

Aber ich verkünde es nun allerorten:

Mein Erspartes ist nicht größer geworden.

 

Ich beschreibe es, denke heute noch dran

wie damals plötzlich mein Martyrium begann:

Als ich anfing, mir das Rauchen abzugewöhnen

hörten die  Mitmenschen mein lautes Stöhnen.

Ich war seinerzeit allein auf mich gestellt

und schimpfte auf die erbarmungslose Welt.

 

In  den Verzichttagen lagen Zigaretten griffbereit,

und ich  sagte mir allezeit:

„Lass dich nicht von deiner Sucht verführen,

du darfst den Klimmstängel nicht anrühren.“

Ausreden und Tricks sollten mir dabei nützen,

selbst Handschuhe mussten vorm Anfassen schützen.

 

Die Verführung zum Paffen war stärker zu Haus´

deshalb ging ich viel häufiger als sonst abends aus.

Ich mied alle bisher beliebten Geselligkeiten,

wo man mich konnte zum Rauchen verleiden.

Ich ging in Kinos, dort war Rauchverbot,

verdrängte mit Zwang meine große Not.

 

Heute finden die „Abgewöhungsbereiten“

Unterstützung von allen möglichen Seiten,

sogar medizinische Hilfe wird empfohlen,

man kann sich Rat von Fachkundigen holen.

Ich aber ging damals allein mit Willensstärke

bei meinem „Abgewöhnugskampf“ zu Werke.

 

Zieh ich nunmehr die bisherige Bilanz,

bin ich heut mit mir zufrieden voll und ganz,

durch Rauchverzicht gewann ich kein Geld

aber bessere Gesundheit hat sich eingestellt.

Verzeihung, Raucher, nehmt´s mir nicht krumm:

„Wer weiter raucht, bringt sich selber um!“

Mit Humor läuft im Alter alles besser

 

Unsere Urenkel sagten voller Mut:

„Schlecht sehen könnt ihr gut,

aber gut hören könnt ihr schlecht.“

Sie sprachen aus, was wahr und recht.

 

Hilfsmittel fürs Laufen, Sehen, Hören

heut´ zur Standartausrüstung gehören,

daraus entsprang bisher großer Segen,

wir können uns bis ins Alter gut bewegen.

 

Schlechtes Gedächtnis, das ist aber ärger,

das belastet den Lebensabend viel stärker,

wenn die Umgebung heimlich lacht,

weil man wieder Unsinniges hat gemacht.

 

Brille auf der Nase, auf dem Kopf die Mütze

und in der Hand zum Gehen die Stütze;

man sucht diese Dinge jedoch immerfort.

Vergisst: Sie sind schon am richtigem Ort!

 

Sehr peinlich kann es aber auch sein

fällt der Name vom Gegenüber nicht ein.

Man denkt: Wilhelm, Friedrich, Franz.

Es ist jedoch der alte Bekannte Hans.

 

Nimm´s mit Humor, wenn dir geht etwas schief,

im Leben gibt´ immer ein Hoch und ein Tief.

So war im Parkhaus mein Auto verschwunden,

in  der tieferen Etage habe ich es wieder gefunden.

 

Alte Menschen sind oft richtig froh,

wenn sie wissen, wo ist das nächste Klo.

Jüngere sollten vom Örtchen weichen,

wenn es die Alten gerade noch erreichen.

 

Und die Moral von dem Gedicht:

„Ihr Jüngeren vergesst es nicht,

akzeptiert unsere vielen Altersschwächen

sonst könnt´ sich das in euerem Alter rächen!“

 

 

Böse Überraschung – Wurstbrühe im Tank

http://www.e-stories.de/view-kurzgeschichten.phtml?37157+wahr

 

Beim Zusammentreffen mit Autofahrern stehen nicht das Wetter, sondern meistens irgendwelche Gespräche über Fahrzeuge oder Fahrerlebnisse im Mittelpunkt. Viele wissen über diese Themen zahlreiche Episoden zu erzählen. Von einer wahren Begebenheit, die schon 1960 passierte, will ich berichten: Wir nahmen an einem regelmäßig alle 4 Wochen Freitagnachmittag stattfindenden wissenschaftlichen Kolloquium an einem Institut in Jena teil. Ein Kollege war mit seinem nagelneuen Pkw Wartburg (Tachostand: 2500 km) angereist, weil er nach der Veranstaltung zu seinen Eltern nach Halle fahren wollte. Mehrere Jahre Anmeldung und ständiges Hoffen auf einen baldigen Kauf hatten dem Auto einen zusätzlichen Wert verliehen. Gut gelaunt – es war Wochenende! – schlenderten wir gemeinsam zum Parkplatz. Die entsetzte Bemerkung des Kollegen - „mein Auto ist weg“ – veranlasste uns zu Spötteleien, dass er wohl nicht mehr wisse, wo er es abgestellt habe. Leider sollte er Recht behalten, weit und breit von dem Auto keine Spur, es war offensichtlich gestohlen worden. Die Erstattung einer Anzeige bei der Polizei gestaltete sich sehr zeitraubend und umständlich. Der Kollege geriet mächtig ins Schwitzen, als er die Frage nach dem Gepäck im Auto beantworten sollte. Er hatte zusammen mit einem Berufskollegen bei einem befreundeten Bauern in einem Dorf in Nordthüringen ein Schwein „schwarz“ geschlachtet und die Produkte – Fleisch, frische Würste und Wurstbrühe – in seinem Kofferraum verstaut. Diese Hausschlachtungen auf Eigeninitiative waren nicht legal, weil man - noch zu dieser Zeit in der DDR - nur dann privat schlachten durfte, wenn man das Tier selbst aufgezogen und gemästet hatte. Er kam deshalb in akute Erklärungsnot, aber irgendwie hangelte er sich durch diese heikle Situation. Schon am folgenden Montag erhielt er vom Polizeirevier die Benachrichtigung, dass das Auto in der Nähe von Apolda gefunden und zum Revier geschleppt worden sei; es stehe dort zur Abholung bereit. Mit sehr gemischten Gefühlen machte sich also der geplagte Kollege am Montagmorgen auf den Weg nach Jena, sich innerlich wappnend, ein Wrack vorzufinden. Erleichtert stellte er fest, dass sich – zumindest äußerlich – die Beschädigungen in Grenzen hielten. Allerdings: trotz wieder aufgefülltem Tank sprang der Wagen nur kurz an, um im nächsten Moment wieder auszugehen. Es stellte sich heraus, dass zwei Jugendliche das Auto aufgebrochen und kurzgeschlossen hatten, um eine Spritztour durchs Thüringer Land zu unternehmen. Als in der Nähe von Apolda das Benzin alle war, gossen sie kurzerhand die Flüssigkeit aus der Kanne im Kofferraum in den Tank. Doch damit ließ sich das Auto nicht zur Weiterfahrt bewegen – es fuhr nicht mit Wurstbrühe! Die Reparatur erwies sich als eine aufwändige und daher kostenintensive Angelegenheit, die letztendlich am Wagenbesitzer hängen blieb, da bei den straffällig gewordenen Jugendlichen nichts zu holen war.

Weitere Gedichte

Keine Freiheit bei dem Bespitzeln

 

Mit der Freiheit auf den Lippen

ziehen die Regierenden die Strippen.

Nachrichtenverkehr auszukundschaften

gehört zu geduldeten Machenschaften,

doch heimlich und heute fast ungestört

werden nunmehr selbst Freunde abgehört.

 

Vor Ort mussten früher Spitzel wagen

zu erkunden, was Beschattete sagen.

Heute hört der Spion an jedem Ort

ungehindert des Verdächtigen Wort.

Die ehemaligen ermittelnden Agenten

sind deshalb heute nur noch Legenden.

 

Ist das der große „Internetfortschritt“,

bei dem du überlegst auf Schritt und Tritt

wo überall kennt man gegenwärtig schon

deine Aussagen im Internet und Telefon?

Die Forscher haben wohl nicht bedacht,

wie schnell sich manches selbständig macht.

 

Die Märchen beginnen: „Es war einmal.“

In der „Internetvorzeit“ vielleicht allemal

gab´s für jeden  einen Platz auf der Welt

an dem sich ein Sicherheitsgefühl eingestellt.

Jetzt müssen wir aber um Freiheit bangen,

denn dieser Platz ist verloren gegangen.

 

Wer die Freiheit ohne Erklärung nennt,

Inhalt und Bedeutung des Wortes verkennt.

Als erstes ist dabei aber hervor zu heben,

sie darf es nicht für Bespitzlungen geben.

Was ich von mir anderen zugänglich mache

steht allein mir frei, ist meine eigene Sache.

 

 

Willst du unauffällig bleiben in deinem Leben,

darfst du nichts Persönliches ins Internet geben.

 

Tiefgründige Erinnerungen

 

Heute verbringe ich viel Zeit

mit Gedanken an die Vergangenheit;

ich hab in 82 Lebensjahren

Heiteres und Trauriges erfahren,

will jedoch aus meinem Leben

Erlebnisse wiedergeben,

die mich immerzu begleiten

in freudigen Begebenheiten.

 

So denke ich sehr gern daran

wie meine Schulzeit einst begann

und mein Großvater sagte mir:

„Ich empfehle, überleg es dir,

mit der Zuckertüte in den Händen

kannst du nichts mehr wenden,

du wirst bestochen mit vielem Süßen,

Freizeit, Freiheit lassen dann nur grüßen.“

 

Ich wehrte mich ganz vehement

gegen das rätselhafte Argument.

Mir kam es besonders darauf an,

dass ich endlich mithalten kann,

wenn die Älteren ständig prahlen

mit der Anwendung der Zahlen.

Auch beim Schreiben und beim Lesen

wär´ ich gerne ebenbürtig gewesen.

 

Es kam, wie es kommen muss:

Am Schulanfang erlebte ich viel Stuss.

Die ersten Wochen zum Schulbeginn

ergaben für mich kaum einen Sinn;

immer Zuckertütenmalen, oh Graus,

füllte unsere Unterrichtsstunden aus.

Es wurde mir eine langweilige Zeit,

ich war wirklich zum Aufgeben bereit.

 

Dann stellte sich manch Neues ein:

Wir mussten artig und aufmerksam sein,

auf der Schiefertafel „Schön schreiben“,

mit Buchstaben im Zeilenabstand bleiben;

pünktlich erscheinen zum Unterricht,

auch schmutzige Hände duldete man nicht.

Wenn wir all dem nicht nachkamen,

die Lehrer schnell den Rohrstock nahmen.

 

 

                                                              Als Pimpfe im Deutschen Jungvolk

verbuchten wir aber einen echten Erfolg,

stolz haben wir oft die Uniform getragen,

dann durften die Lehrer uns nicht schlagen.

Jedoch im freiwilligen Religionsunterricht

erlaubte es unser frommer Pfarrer nicht,

die nazistische Pimpfuniform anzuziehen,

die Religion zu erklären, war sein Bemühen.

 

Dann war der schlimme Krieg zu Ende,

in der „Ostschule“ gab es eine Wende,

die Lehrer durften nicht mehr prügeln,

mussten nun  stark ihr Verhalten zügeln.

In dieser Hinsicht fühlten wir uns befreit,

doch uns erreichte auch eine neue Zeit:

Gar manche jammerten „Weh und Ach“,

russische Sprache wurde zum Pflichtfach.

 

Auch nicht jeder es gleich richtig fand,

Gymnasium wurde in Oberschule umbenannt,

neuer Unterrichtsinhalt in Geschichte

zeigte Sozialismus im neuen Lichte,

schnell hatte man die Begründung dafür:

„Die Diktatur des Proletariats waltet jetzt hier“.

Das fiel schwer für Mädchen und Jungen,

die einst „Deutschland über alles“ gesungen