Urlaubsreisen ins sozialistische Ausland

Wer will seine Erfahrungen erzählen und hat Bilder?

Frage:

In der DDR wurde zwischen sozialistischem und nichtsozialistischem Ausland unterschieden. Den Bürgern dieses Staates waren - bis auf wenige Privilegierte - Urlaubsreisen in das nichtsozialistische Ausland verwehrt, während BRD Bürger als Devisenbringer durchaus gewünschte Urlaubsgäste in den sozialistischen Ländern – sie hießen hier Ostblock - waren. Heute steht allen deutschen Bürgern für Urlaubsreisen die Welt offen. Obwohl beim Besuch der sozialistischen Länder die Menschen aus der DDR nach Sprachgebrauch zu Freunden reisten, waren aber dort die Urlauber mit „harter Währung“ beliebter. Wer kann über Urlaubserlebnisse während des „kalten Krieges“ berichten und Bilder zeigen?

15. Beitrag

Während eines Urlaubsaufenthaltes 1986 in Sotschi buchten wir einen Ausflug nach Suchumi. Auf einem Tragflächenboot wollten wir über die Wellen des Schwarzen Meeres „fliegen“. Da wurde plötzlich eine Schlechtwetterfront mit Sturm gemeldet und wir gingen mit Bangen auf das Boot, wurden aber vom Kapitän in echter russischer Manier beruhigt, dass keine Gefahren bestehen würden. Ich musste ob der starken schaukelnden Schiffsbewegungen einige Cognac trinken und stellte fest, sie halfen gegen die Seekrankheit! In Suchumi war der Stadtrundgang wegen des schlechten Wetters weniger angenehm. Ich interessierte mich stark für die weltbekannte Affenzuchtstation mit Forschungsinstitut und entsinne mich, dass ich als Tierschützer trotz recht guter Haltungsbedingungen der Tiere Mitleid mit diesen hatte. Auf meine Frage, während der Führung durch die Anlage, wie weit man mit einem „Affenmenschen“ sei, wurde ich recht barsch in die Schranken gewiesen. Aber ich hatte irgendwo gelesen, dass man in dieser Richtung experimentieren würde. Wir erlebten aber außerdem, dass es damals in der SU eine sehr starke Bürokratie gab. Das Wetter hatte sich derart verschlechtert, dass wir nicht mit dem Schiff zurück fahren konnten. Uns wurde mitgeteilt, mit unserem Sammelvisum bestünde keine Möglichkeit mit Zug oder Bussen aus Suchumi nach Sotschi zurück fahren zu können, denn es müssten Grenzen zwischen Sowjetrepubliken überquert werden; es wäre deshalb erforderlich zu warten, bis uns Busse aus unserem Urlaubsort abholen. Für uns unverständliche Bestimmungen, aber wir nahmen es gelassen und erst nach vielen Stunden erreichten wir unser Bett im Hotel in Sotschi. .  

14. Beitrag

In den 1970er bis Anfang der 1980er Jahre besuchten wir dreimal Moskau, weil die angebotenen 8tägigen Gruppenreisen kostengünstig waren und ein interessantes Besichtigungsprogramm boten. An einige typische Erlebnisse erinnern wir uns noch sehr gern. Vor dem Leninmausoleum am Roten Platz gab es immer sehr lange Besucherschlangen. Ausländische Reisegruppen – hier ohne Unterschied zwischen SW und NSW (Sozialistisches Wirtschaftsgebiet und Nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet) wurden immer vorgelassen und wir brauchten tatsächlich nur ungefähr eine Viertelstunde zu warten, um den einbalsamierten Lenin zu sehen. Wir hörten, dass sowjetische Bürger bis zu 6 Stunden anstanden. Sehr beeindruckend war die Besichtigung der Allunionsausstellung, wo man u. a. das sowjetische Weltraumprogramm museal dargestellt hatte und große Raketen gezeigt wurden. Verständlicher Weise wollten wir auch gern etwas über das Warenangebot erfahren. Wir fanden im gesamten Innenstadtbereich ein einziges Möbelgeschäft und erfuhren damals, dass Wohnungseinrichtungen in der SU ein Engpass seien. Gewöhnungsbedürftig war für uns das Einkaufen im großen Warenhaus Gum, das sich in einem architektonisch höchst interessanten Gebäude befindet. Überall, an den Ständen, an den Kassen herrschte großes Gedränge. Die ausgewählten Waren durfte man erst nach der Bezahlung in Empfang nehmen. Fazit: „Dreimal anstellen!“ Bei Besichtigungen im Kreml kamen wir aus dem Staunen nicht heraus, weil sich hier Reichtum und das große Machtzentrum Russlands, gleich welcher Gesellschaftsordnung, zeigte. Bei allen Besuchen in Moskau musste ich daran denken, wie diese Stadt der Eroberung durch deutsche Armeen widerstand und trotz hoher Bedrohung durch Luftangriffe im 2. Weltkrieg große Feiern und Paraden auf dem Roten Platz stattfanden

Allunionsausstellung Moskau   1976

Sehr beeindruckend war während eines Besuchs in Moskau die Besichtigung der Allunionsausstellung, wo man u. a. das sowjetische Weltraumprogramm museal dargestellt hatte und große Raketen gezeigt wurden. Sehr beliebte Fotoobjekte waren der Brunnen der Völkerfreundschaft und die große Rakete in Originaldarstellung.

Kreml in Moskau von außen

Bei Besichtigungen im Kreml kamen wir aus dem Staunen nicht heraus, weil sich hier Reichtum und das große Machtzentrum Russlands, gleich welcher Gesellschaftsordnung, zeigte. Typische Kremlgebäude sind vom Ufer der Moskwa und vom Roten Platz aus gut zu sehen.

13. Beitrag

Im November 1987 konnten wir während eines Urlaubsaufenthalts in Jalta auf der Insel Krim Feiern zum 70. Jahrestag der Oktoberrevolution in Russland, die bekanntlich nach den gregorianischen Kalender am 7. November 1917 begann, miterleben. Unsere Reisegruppe musste geschlossen an der Demonstration und Großkundgebung teilnehmen. Wir ersahen daraus, dass diese Feierlichkeiten in ähnlicher Weise verliefen, wie wir dieses aus der DDR kannten. Wir waren im modernen Hotel „Jalta“ untergebracht und wurden in der Grundversorgung im Wesentlichen wie „westliche Devisen bringende Touristen“ betreut. Allerdings gab es im Haus eine Bar, in die wir mit unserer DDR- Mark nicht eingelassen, sondern bereits an der Tür abgewiesen wurden, wenn wir nicht bestätigen konnten „harte Währung“ zu besitzen. Es war die Zeit der Kampagne Gorbatschows gegen den Alkohol, die 1985 begonnen hatte. Als ausländische Touristen konnten wir im Hotel zum Mittag- und Abendessen Wein oder Bier kaufen, erfuhren aber, dass an russische Bürger nirgends alkoholische Getränke abgegeben werden durften. Wir kehrten gern nachmittags zum Kaffeetrinken in einer Hotelgaststätte ein, in der wir mit Rubel bezahlen konnten. Dort beobachteten wir, wie immer einige Männer ihre Einkaufstaschen über den Tresen reichten, warteten und nach einiger Zeit gefüllte Seltersflaschen zurück bekamen. Wir stellten fest, behielten es aber für uns, dass dort ein Schwarzhandel florierte, indem man im hinteren Bereich der Theke Wodka in unverdächtige Flaschen abfüllte. Außerdem beobachteten wir jeden Nachmittag vom Fenster der Bar aus eine kleine Baustelle, auf der 2 Arbeiter Fliesen verlegten. Ihnen merkte man ganz deutlich an, dass sie dem Wodka stark zugesprochen hatten. Beim Fahren mit der Schubkarre bewegten sie sich in einer sehr deutlichen Schlangenlinie. An diesen Beispielen wurde uns die heutige Einschätzung bestätigt: Gorbatschows Maßnahmen gegen den Alkoholmissbrauch führten damals einerseits zu einer steigenden Lebenserwartung, heizten aber auch den Schwarzmarkt und das Schwarzbrennen heftig an. Russische Hotelangestellte, mit denen wir ins Gespräch kamen, boten Adressen an, wo man illegal schwarz gebrannten Wodka hätte kaufen können.

Hotel Jalta in Jalta/Krim

Das Hotel Jalta in dem wir im November1987 wohnten war modern eingerichtet. Während der Hauptsaison urlaubten dort hauptsächlich Gäste mit „harter Währung“ – bei uns in der DDR hieß es NSW (Nicht sozialistisches Wirtschaftsgebiet). Wir erhielten deshalb nur im Winter günstig Urlaubsplätze in diesem Hotel. Uns gefiel, dass wir mit dem Lift bis nach unten zum Ausgang an den Strand fahren konnten.

Jalta/Krim - Schwalbennest

Das „SCHWALBENNEST“ in der Nähe von Jalta auf der Krim ist ein beliebtes Fotoobjekt für Touristen. Es ist der Nachbau eines mittelalterlichen, zentraleuropäischen Schlösschens. Während unseres dortigen Besuches 1987 war es Gaststätte.

 

12. Beitrag

Heute nach 20 Jahren ist es kaum noch vorstellbar, dass es für uns DDR-Bürger zeitweise schwierig war bei Urlaubsreisen in sozialistische Länder im gewünschten Umfang Geld zu tauschen. Nur bei Reisen in die SU konnte man unbegrenzt Rubel gegen Mark der DDR eintauschen. Verständlicher Weise nutzten und hatten fast alle irgendwelche Beziehungen, um an mehr Zahlungsmittel in der Währung der Länder zu kommen, in die man reisen wollte. Wie war aber das Schwarzgeld ungehindert durch den Zoll zu bringen? Ich riet z. B. einmal unserem 18jährigen Sohn, der Urlaub in Ungarn machen wollte, die zusätzlichen Forint, die er sich besorgt hatte, einfach in der Geldbörse zu belassen. Bei mir war bisher nie verlangt worden, diese vorzuzeigen. Aber gerade bei ihm wurde das Portemonnaie kontrolliert. Er hatte Glück, dass ihm nur das Geld weggenommen wurde, er aber weiter in den Urlaub reisen durfte. Begehrt, aber nur selten und schwierig waren Urlaubsreisen zu bekommen, bei denen man nicht ständig einem „Gruppenzwang“ unterlag. Meiner Frau und mir gelang es 1980, gemeinsam mit meiner Cousine und deren Mann, die beide Russischlehrer waren, eine achttägige „Einzelreise“ nach Leningrad – heute St. Petersburg - zu ergattern. Bei dieser Reise war es wichtig, ausreichend Rubel zur Verfügung zu haben, weil nur Flug und   Hotelunterkunft in der DDR, alles andere selbst organisiert und vor Ort bezahlt werden musste. Durch unsere bescheidenen und die perfekten Kenntnisse der russischen Sprache unserer Mitreisenden haben wir in dieser Stadt mehr Interessantes sehen können, als das bei einer Gruppenreise möglich gewesen wäre. Wir machten allerdings eine Erfahrung: Wenn wir uns in Schlangen, die vor fast allen wichtigen Besichtigungsobjekten anzutreffen waren, einreihten, durften wir nicht russisch sprechen. Nur ausländische Touristen – bei uns glaubte man, wir kämen aus der BRD, weil wir nicht in einer Gruppe ankamen, wurden gegenüber den russischen Bürgern bevorzugt vorgelassen. Auf dem Gelände des Smolny – Instituts befindet sich das bekannte Gebäude, in dem die Oktoberrevolution geplant wurde und das dann als Regierungssitz der Sowjetunion (Lenins Residenz) diente. Hier war nur eine Außenbesichtigung möglich. Doch ich war dabei in einer großen Zwangslage, ich musste dringend austreten. Kurz entschlossen begab ich mich zur Wache und erreichte: Ich wurde von einem Soldaten mit aufgepflanztem Gewehr durch viele Gänge zur Toilette geführt. Der Wachposten blieb vor der Tür stehen bis ich fertig war und begleitete mich wieder zum Ausgang. Damit, dass ich einen Blick ins Innere dieses geschichtsträchtigen wichtigen Gebäudes werfen durfte, habe ich später oft geprahlt. Mit besonderen Empfindungen besichtigten wir den Kreuzer Aurora, weil von diesem aus mit einem Platzpatronenschuss aus einer Bugkanone das Signal für den Sturm auf das Winterpalais gegeben wurde, dieser Schuss gilt als Beginn der Oktoberrevolution. Geschichtsereignisse, die uns während meiner Oberschulzeit in der SBZ (Sowjetischen Besatzungszone) mit überschwänglichen Tönen gelehrt wurden.

Auf dem Gelände des Smoly – Instituts, in St. Petersburg befindet sich das bekannte Gebäude, in dem die Oktoberrevolution geplant wurde und das dann als Regierungssitz der Sowjetunion (Lenins Resistenz) diente. Dieses Gebäude durften wir 1980 nur von außen besichtigen.

Am 25. Oktober 1917 gab der Kreuzer Aurora aus einer Bugkanone das Signal für den Sturm auf das Winterpalais in St. Petersburg. Diese Erstürmung gilt als Beginn der Oktoberrevolution. Das geschichtsträchtige Schiff durften wir 1980 besichtigen.

 11. Beitrag

Reisen in den 1960/70er Jahren mit dem PKW nach Bulgarien waren für uns sehr erlebnisreich. Nicht immer an Touristenprogramme und Routen gebunden, lernten wir viele Sehenswürdigkeiten und vor allem die Lebensverhältnisse in den Balkanländern kennen. Erschüttert waren wir schon damals von der weltweit bekannten Armut in Rumänien und den ungelösten Problemen im Umgang mit Minderheiten. Ich erinnere mich, dass wir in Siebenbürgen viele deutsch sprechende Menschen trafen, die uns ihre Nöte klagten und offen darüber sprachen, dass sie sich stark unterdrückt fühlten. Sie wollten allzu gern für immer nach Deutschland, in die Heimat ihrer Vorfahren, zurück. Außerdem sind mir noch die Worte einer Stadtführerin aus Bukarest im Ohr, die sehr abfällig von Zigeunern sprach: „Diese Menschen sind ein schwieriges Problem, sie erhalten vom Staat Wohnungen, ziehen ein und nach wenigen Wochen sind sie wieder unauffindbar verschwunden.“ Interessant für uns war aber im Übrigen damals die unterschiedlich praktizierte Fliegenbekämpfung .in den einzelnen Ländern. In Rumänien schien man sehr großzügig mit den neu erfundenen Kontaktinsektiziden umzugehen. In den Hotels und Gaststätten roch es überall fürchterlich danach – aber es gab keine Fliegen. In Bulgarien dagegen erlebte man fast überall eine sehr starke Fliegenbelästigung, die ich durch ein Ereignis besonders zu spüren bekam. Ich hatte mir auf den Oberschenkeln einen sehr starken Sonnenbrand zugezogen. Mir wurde geraten, die mörderisch schmerzenden Stellen mit Joghurt einzureiben. Tatsächlich brachte das auch Linderung. Wir kauften eine große Flasche dieses „Hilfsmedikaments“, die wir auch auf einem kleinen Autoausflug mitnahmen. Meine Frau hielt das Gefäß am Vordersitz mit ihren Füßen fest, damit es immer zum Einreiben, auch während der Fahrt, zur Hand war. Bei einem etwas stärkeren Bremsvorgang entglitt ihr die Flasche und der Inhalt ergoss sich über den Fußboden. Die Flüssigkeit drang bis in die Filzmatten, die wie ein Schwamm wirkten und sich so richtig voll saugten. Das Ganze fing in der Wärme sehr schnell an, übel zu riechen und zog eine Unmenge Fliegen an. Wir staunten wie viele Insekten es in Bulgarien gab, die alle in unserem Auto mitfahren wollten! Erst zu Hause gelang es uns, das Fahrzeug wieder von den Joghurtrückständen zu befreien und gründlich zu säubern.

10. Beitrag

Die Ingenieurschule für Veterinärmedizin im Bezirk Erfurt, in der ich als Gastdozent tätig war, hatte mit einer gleichgelagerten Einrichtung in Lovetsch, Bulgarien, eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit, wobei Möglichkeiten des Urlauberaustauschs in schuleigenen Ferieneinrichtungen einbezogen waren. In diesem Rahmen verlebten wir mit unseren beiden Jungen im Sommer 1966 einen Campingurlaub in Obsor am Schwarzen Meer. Es war unsere 2. PKW – Reise nach Bulgarien und wir waren hinsichtlich der sehr schlechten Toilettenanlagen in den Balkanländern vorgewarnt. Zu unserer zusätzlichen Ausrüstung gehörten deshalb vorsichtshalber ein Spaten und ein Klappstuhl, der als Toilettensitz hergerichtet war. Damit konnten wir in Wäldern oder Maisfeldern versteckt unsere eigene Kloanlage errichten. Zwischenstation mit Übernachtung machten wir auch in der Ingenieurschule in Lowetsch, wo in unserem Quartier, im Internat, die Wasch- und Toilettenanlagen sehr schmutzig und kaum zu benutzen waren. Der umgebaute Stuhl kam uns deshalb sehr zu pass. Abends im Dunklen unternahmen meine Frau und ich noch einen Spaziergang zu einem Wald am Fluss, wo wir badeten, um dies nicht im Internat tun zu müssen. Außerdem schien uns das Wäldchen der geeignete Ort für unsere Hilfstoilette im Freien. An geschützter Stelle vergewisserte ich mich, dass ich allein war, hub eine kleine Grube aus und benutzte unseren Spezialstuhl. Plötzlich stand ein Mann vor mir, den ich in der Dunkelheit nicht gesehen oder gehört hatte. Er sprach mich in gebrochenem deutsch an: „ Sie sind Deutscher? Ich kenne ihr Land, ich war schon mehrmals dort.“ Er verwickelte mich in meiner Bedrängnis in ein ausführliches Gespräch. Ich war froh, als er sich verabschiedete und kam mir sehr unhöflich vor, weil ich nicht aufstehen konnte. Ich war mir nicht sicher, ob er etwas von meiner Notsituation gespürt hatte. Das Ereignis zeigte mir: „Man ist auf der Welt – selbst im dunklen Wald – niemals allein und vor Überraschungen nirgends sicher.“ In allen sozialistischen Ländern, einschließlich der DDR, waren, das bemerkten wir bei unseren Reisen, fast alle öffentlichen Toiletten unsauber und in einem schlechten Zustand. Als wir 1990 erstmals in die BRD reisen konnten habe ich es nicht glauben wollen, dass es in den meisten öffentlichen Einrichtungen saubere Toiletten gab. In Post, Bahnhof, Rathaus, Kaufhaus u. a. wollte ich es wissen und schaute nach, so dass meine Begleiter schon dachten ich hätte Durchfall.    

 

9. Beitrag

Das Angebot an Ferienplätzen durch den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund und das Reisebüro der DDR reichte nie aus. Die größeren VEB boten deshalb ihren Werktätigen Urlaubsplätze in eigenen Ferieneinrichtungen. Vorteilhaft war, dass in „Freundschaftsverträgen“ mit Partnerbetrieben in den sozialistischen Ländern auch Urlauberaustausche vereinbart wurden. Kostenmäßig war das äußerst günstig, weil für Unterkunft und Verpflegung gleiche Preise wie in den Betriebsferienheimen des Heimatlandes galten. - ungefähr 10.-Mark pro Person und Tag. Ich war Cheftierarzt im Fleischkombinat Erfurt, das einen Urlauberaustausch mit dem Fleischkombinat von Kalisz in Polen vereinbart hatte. Wir hatten 1986 das Glück, einen Urlaubsplatz im Betriebsferienheim dieses Kombinates an der Ostseeküste in der Nähe von Kolberg zu erhalten. Unsere Anreise erfolgte mit unserem PKW Trabant. Ungefähr 10 Km vor dem Grenzübergang Frankfurt/Oder überholte uns ein größerer PKW und ein aufgewirbelter Stein schleuderte gegen die Frontscheibe unseres Trabis. Die Scheibe zersplitterte und wir mussten Tausende kleine Glasstückchen entfernen. Wir suchten noch auf der DDR - Seite der Grenze mindestens 8 Werkstätten auf doch in keiner erhielten wir Hilfe. Selbst versprochenes hohes Trinkgeld oder angebotene besondere Thüringer Wurstwaren, die wir mit auf die Reise genommen hatten, halfen nichts. Bei herrlichem warmem Wetter setzten wir deshalb mutig unsere Fahrt über die Grenze ins Ausland fort. Die Zöllner und Grenzpolizisten zeigten uns gegenüber ein großes Mitgefühl und unterließen jegliche Kontrolle. Wir stellten deshalb fest, eine kaputte Windschutzscheibe könnte eine günstige Gelegenheit für Schmuggelgeschäfte sein! Ab Mittag verfinsterte sich der Himmel und wir waren noch mindestens 80 Km von unserem Ziel entfernt. Auf einer freien Strecke, ohne Unterstellmöglichkeiten, erwischte uns dann ein wolkenbruchartiger Regen. Wir packten Handtücher und Bademäntel aufs Armaturenbrett und spannten zwei Regenschirme so vor die Öffnung, dass ich gerade noch Sicht für eine langsame Weiterfahrt hatte. In den Ortschaften, durch die wir dann mit den vorn aufgespannten Regenschirmen fuhren, schien unser Fahrzeug eine kleine Attraktion zu sein

Wir erreichten schließlich stark durchnässt das Ferienheim und hatten 2 Tage zu tun, um unsere Sachen wieder trocken zu bekommen. Der Direktor des polnischen Fleischkombinates vermittelte uns eine Trabantwerkstatt, in der wir eine neue Frontscheibe erhielten, die ganz vorschriftsmäßig eingebaut wurde. Die Reparatur war in Polen sogar noch billiger als in der DDR.

8.Beitrag

Als wir während unserer Wolgaschiffsreise 1981 in Wolgograd anlegten, die Stadt und die „Gedenkstätte der Schlacht von Stalingrad“ besichtigten, wurde ich an ein Kindheitserlebnis erinnert. Es war Anfang Februar 1943, ich 12jähriger besuchte die 5. Klasse der Volksschule. Als eines Morgens unser Lehrer das Klassenzimmer betrat merkten wir an seiner Art und Haltung, dass etwas Besonderes passiert sein musste. Er befahl uns, nach der Begrüßung stehen zu bleiben, wir mussten der Helden von Stalingrad gedenken, die nach seinen Worten einen heroischen Kampf bestanden und einen Sieg errungen hatten. Als wir uns setzen durften und er dann lange und ausführlich über die vielen Heldentaten der 6. Armee gesprochen hatte, schwirrte es in meinem Kopf. Noch heute erinnere ich mich, dass ich damals schon am Abend vorher im Radio von den Kommentatoren ähnliche Berichte gehört hatte. Mein Vater sagte aber dazu, dass diese Kapitulation in Stalingrad eine Niederlage und vielleicht sogar eine Kriegswende sei. Unser Lehrer war mir immer ein Vorbild, ich hatte Vertrauen zu ihm. Ich war deshalb geneigt, mich zu melden und die Gedanken meines Vaters zu äußern. Was mich davon abhielt weiß ich nicht mehr, auf alle Fälle ersparte ich durch mein Schweigen unserer Familie viel Ärger oder vermutlich Schlimmeres. Der russische Reiseführer erklärte uns damals in Wolgograd alles in dem Sinne, wie wir es durch die Geschichtsinterpretationen in der DDR kannten. Im Fernsehen hatten wir schon vielfach Bilder von den Kämpfen in Stalingrad gesehen, wenn man aber die Stätten direkt sieht, an denen sich dieses Grauen abspielte, dann bleibt man nicht ungerührt. Besonders beeindruckend war für meine Frau und mich die Gestaltung der „Gedenkstätte der Schlacht von Stalingrad“. Ich fotografierte vor allem die von den Bildhauern geschaffenen sehr aussagekräftigen Werke. Ich hatte den Eindruck, dass alle aus unserer Reisegruppe von den Besichtigungen in dieser Stadt ergriffen waren. Wir mussten dabei auch immer wieder an die vielen deutschen Soldaten denken, die in diesem sinnlosen Kampf ihr Leben lassen oder später in der Gefangenschaft viel Leid ertragen mussten.

Auf der Allee beim Eingang zur „Gedenkstätte der Schlacht von Stalingrad“ sieht man im Hintergrund die 101m hohe Statue „Mutter Heimat“. Bei ihrer Errichtung im Jahre 1967 war sie die größte der Welt. Während unserer Besichtigung im Jahre 1981 waren wir sehr beeindruckt.

7.Beitrag

Drei Besonderheiten während unserer Wolgaschiffsreise 1981 erscheinen mir noch erwähnenswert. 300 Touristen gehörten zur Hauptreisegruppe auf dem Schiff. Meine Frau hatte davon eine Gruppe mit 30 Personen als Reiseleiterin zu betreuen. Belastend war, dass sie jeden Abend an einer Besprechung beim Hauptreiseleiter teilnehmen musste, die oft mehr als eine Stunde dauerte. Hierbei wurden die Order für das notwendige Verhalten der Touristen, besonders hinsichtlich der Pflege der deutsch – sowjetischen Freundschaft, gegeben. Bei der Lösung von Problemen in ihrer Gruppe war sie aber allein auf sich selbst gestellt. Bei einem Landausflug in Wolgograd stürzte auf einem Schotterweg ein zehnjähriges Mädchen unserer Reisegruppe und verletzte sich relativ stark. Der Schiffsarzt versorgte die Wunden. Die Mutter hatte keinen Impfausweis mit und wusste auch nicht, ob ihr Kind schon prophylaktisch gegen Wundstarrkrampf geimpft worden war. Trotz unseres Widerspruches und Drängens meinte der Mediziner aber, dass keine Tetanusimpfung nötig sei. Nach 3 Tagen, beim Anlegen in Rostow, sahen wir ihn als Ersten vom Schiff eilen. Er kam nach kurzer Zeit zurück und holte jetzt eiligst die Tetanusimpfung nach. Wahrscheinlich hatte er keinen Impfstoff an Bord gehabt und nun plötzlich Angst bekommen. Vor dem Heimflug übernachteten wir in Moskau in einem modernen Hotel. Hier wurde meine Frau mit einem weiteren schwierigen Problem konfrontiert. Gegen 21 Uhr meldete eine Frau unserer Reisegruppe, dass ihre Handtasche mit sämtlichen Ausweispapieren spurlos verschwunden sei. Wir hatten ein Sammelvisum, die Gruppe musste also vollzählig sein und die Behörden ließen bestimmt niemanden ohne gültigen Ausweis ausreisen. Der am kommenden Tag früh sehr zeitig geplante Rückflug nach Berlin war deshalb gefährdet. In der DDR- Botschaft erhielten wir die Auskunft, dass erst am kommenden Morgen gegen 10 Uhr ein Ersatzausweises ausgestellt werden könne. Eine erneute umfassende Suchaktion, wozu die Mitreisenden mit sinnigen und unsinnigen Ratschlägen beisteuerten, wurde gestartet. Nach ca. 3 Stunden kam die erlösende Erfolgsmeldung: Die Frau hatte die Tasche nach dem Betreten des Zimmers auf dem Fensterbrett abgestellt. Als es dunkel wurde zog sie den Vorhang zu und dahinter versteckte sich ihr so wichtiges Utensil. Erst unsere intensiven Gespräche über die logische Aneinanderreihung all ihrer bisherigen Handlungen führte sie letztlich zu diesem Versteck.

6. Beitrag

Zum Abschluss unserer Wolgaschiffsreise 1981, die in Asow am Don endete, fand eine Großveranstaltung mit Folkloreprogramm statt. Unsere Hin- und Rückfahrt dorthin erfolgte mit 10 Reisebussen, eskortiert von Polizeiautos mit Blaulicht und Martinshorn; ein uns unerklärlicher Schutz. Auf dem Parkplatz vor dem Kulturhaus waren mehr als 100 Busse abgestellt. Nach Abschluss des Programms war es dunkel geworden und der Parkplatz ohne Beleuchtung. . Ein neunzehnjähriges Mädchen unserer Gruppe, Elke. K., übersah eine Bordkante und verletzte sich einen Fuß so stark, dass sie nicht mehr auftreten konnte. Weil am nächsten Tag früh 5 Uhr der Rückflug nach Moskau geplant war, blieb wenig Zeit. . Der freundliche Busfahrer brachte uns zu einer Poliklinik. Ein Herr der Reisegruppe und ich trugen die Patientin in den Warteraum, ein Rollstuhl stand nicht zur Verfügung. Wir zwei blieben mit in der Klinik, die anderen Reiseteilnehmer wurden zum Schiff gebracht. Der diensthabende Arzt gab unserer Patientin zunächst eine Traube Weinbeeren und meinte, das sei besser gegen Schmerzen als Tabletten. Im Warteraum befanden sich mehrere Männer mit schlimmen Wunden. Wahrscheinlich hatten sie sich geprügelt, denn ihr Streit setzte sich, trotz Anwesenheit eines Polizisten, fort. Unsere Patientin wurde zur Behandlung vorgezogen. Der Fuß wurde geröntgt und ein Knöchelbruch diagnostiziert. Elke jammerte und beschwor uns, sie unbedingt mit nach Hause zu nehmen. Wir konnten sie durchaus verstehen. Außerdem hätte es bei unserem Sammelvisum große Schwierigkeiten gegeben. Der Arzt legte einen Gipsverband zur Ruhigstellung an. Einen Gehgipsverband lehnte er ab und meinte, dass es so etwas in der SU nicht gibt. Wir durften Elke mit auf die Heimreise nehmen und uns blieb nichts weiter übrig, als die recht korpulente Frau zu tragen. Dies erfolgte auf den Stationen:

- Aus der Poliklinik zum Taxi,

- vom Taxi zur Kajüte im Schiff

- von der Schiffskabine zum Bus zur Fahrt zum Flughafen in Rostow,

- vom Bus im Flughafen bis zum Fugzeug,

- in Moskau aus dem Flugzeug zum Bus zur Fahrt ins Hotel, wo uns am Eingang nach Pfandabgabe ein Rollstuhl übergeben wurde.

- weiter aus dem Bus, der uns zum Airport gebracht hatte, bis zum Flugzeug nach Berlin; erst dort wurde uns ein Rollstuhl an die Gangway gebracht.

Einen Vorteil hatten wir durch unsere „Trägermission“, wir brauchten uns nirgends in Warteschlangen anstellen. Elke kam in Berlin sofort in die Krankenstation des Flughafens und von dort in ein Krankenhaus. Später erfuhren wir, dass nur durch eine komplizierte Operation ihr Fuß wieder geheilt werden konnte. Der Bericht soll aber keine Wertung medizinischer Behandlungsmöglichkeiten in der damaligen SU sein.

1. Beitrag

 

In der DDR gab es nur ein einziges Reisebürounternehmen und dort waren für Urlaubsreisen Beziehungen notwendig; deshalb waren private Initiativen gefragt. 1968 waren unsere Bemühungen um einen Urlaubsplatz über das Reisebüro erfolglos und wir freuten uns, dass uns ein Arbeitskollege einen privaten Ferienplatz am Plattensee vermittelte. Voller Erwartung fuhren wir mit unseren beiden Mädchen mit unserem Skoda nach Balaton – Almadi. Wir kamen völlig erschöpft von der langen Reise am Abend an und die Schwierigkeiten begannen. Die Vermieterin, hatte nur mit 3 Personen gerechnet. Im uns zugedachten relativ kleinen Zimmer standen Ehebetten und eine Liege. Ein weiterer Raum stand nicht zur Verfügung, weil alle 4 Zimmer des Hauses mit Feriengästen belegt waren. Die Familie schlief in der sehr engen Küche. Für unsere kleinere Tochter mussten zwei aneinander geschobene Sessel 14 Tage als Schlafstatt dienen. Am Morgen nach der ersten Nacht verspürten wir an unseren Körpern einige juckende Stellen und stellten fest: Uns hatten Flöhe gepiesackt! Bei der Hühnerhaltung am Haus und den gesichteten nicht sehr sauberen Hunden war dieses keineswegs verwunderlich. Im Übrigen war ich ganz schön wütend auf meine Frau, als sie mir als Urlaubslektüre den Roman „Dr. Schiwago“ überreichte. Diese aus dem Westen stammende Literatur war in der DDR unerwünscht. Die Mitnahme über die Grenze hätte mir, so meinte ich, bei möglicher Zollkontrolle allerhand Ärger einbringen können. Schließlich las ich den Roman mit sehr großem Interesse und war froh, das Buch wieder gut nach Hause gebracht zu haben, weil wir es außerdem von Bekannten ausgeliehen hatten. Schon in den ersten Tagen unseres Aufenthalts erfuhren wir, dass in der CSSR eine angespannte politische Situation entstanden war. Interessiert lauschten wir täglich den Nachrichten besonders vom Rundfunk aus Österreich. Ein ungarischer Feriengast übersetzte uns hin und wieder die Nachrichtensendungen aus Budapest. Er dramatisierte die Lage und riet uns sogar, nicht über die CSSR zurück zu fahren. Wir wagten es trotzdem und waren froh, dass wir die Strecke gut kannten. Wir spürten nämlich überall den „Prager Frühling“. An verschiedenen Kreuzungen waren z. B. die Wegweiser nach falschen Richtungen verstellt, damit sollten wahrscheinlich Armeefahrzeuge fehlgeleitet werden. Bei Fragen an Einheimische und beim Kauf von Verpflegung bzw. Einkehr in den Gaststätten spürten wir eine gewisse Abneigung, wenn sie erfuhren, dass wir aus Ostdeutschland kamen. In der DDR angekommen, sahen wir auf den Straßen Richtung CSSR überall Militärfahrzeuge und Soldaten.

Mit diesem PKW Skoda fuhren wir 1968 in den Urlaub zum Balaton nach Zarmadi. In jener Zeit standen in Strandnähe viele Einfamilienhäuser, in denen oft recht primitive Ferienunterkünfte angeboten wurden. In der Neuzeit wird dagegen in modernen Häusern mehr Komfort geboten. Als das Wetter damals schlechter wurde – unsere Mädchen in ihrer Sommerkleidung am See froren – traten wir auch wegen der in der CSSR beginnenden Ereignisse des „Prager Frühlings“ die Heimreise an.

2. Beitrag

Urlaubsreisen mit dem PKW ins Ausland waren Anfang der sechziger Jahre in der DDR im Gegensatz zur BRD eine Seltenheit. Wir hatten Glück, wir konnten 1961 über den ADMV ( Allgemeiner Deutscher Motorsportverband ) eine Autoreise nach Bulgarien buchen. Wir – acht Ehepaare in je einem Pkw – trafen uns am Grenzübergang Bad Schandau. Der Reiseleiter fragte, wer der schnellste Fahrer sei. Meine Frau rief voller Stolz: „Wir mit dem 311er Wartburg!“ Die Konsequenz: Uns wurde aufgetragen, bei Kolonnenfahrten das Schlusslicht zu bilden, na prima...... Kurz bevor es losging bekam eine Frau heftige Zahnschmerzen. Ein mitreisender Zahnarzt erbot sich, in einer Praxis in Bad Schandau den schmerzenden Zahn zu ziehen, um jegliche Komplikationen im Ausland auszuschließen. Unsere erste Etappe führte uns nach Brünn. Der Ehemann der zahngeplagten Frau erschien dort allein zum Abendessen, also saßen wir zu dritt am Tisch. Die Speisen wurden für vier Personen gereicht – und immer räumte der erstaunte Kellner, (diesen verdutzten Gesichtsausdruck vergesse ich nicht!), vier leere Teller ab. Unser Tischnachbar war Jockey, der stets mit eiserner Selbstdisziplin sein Körpergewicht überwachen musste, er ließ deshalb im Urlaub die „Zügel gründlich schleifen“. Nach sechs Tagen erreichten wir unser Ziel – Nessebar. Sozialistisches Ausland und altes Auto sorgten immer für spannungsreiche Momente. Ein Mitreisender fuhr einen alten Pkw F9, mit dem er es aufgrund eines defekten Getriebes gerade so bis Nessebar geschafft hatte. Die Suche nach einer geeigneten Werkstatt verlief zunächst ergebnislos, bis wir eine winzige, mickrige Werkstatt fanden. Der Meister erzählte uns, dass er während des zweiten Weltkriegs in Dessau in den Junkerswerken gearbeitet hatte, deshalb in der Lage sei, das Auto zu reparieren. Tatsächlich zauberte er ohne Originalteile einen Ersatz hervor, der nicht nur die Fahrt über, sondern auch noch weitere Jahre bestens funktionierte. Diese zehn Tage Aufenthalt an der Schwarzmeerküste sowie die abenteuerlustige Hin- und Rückfahrt zählt für uns zu den schönsten Urlauben. Wie bei all unseren Auslandsreisen war uns auch bei dieser ein „Aufpasser“ vom MfS (Ministerium für Staatssicherheit) zugeordnet, ein älterer Offizier aus Halle. Im Gegensatz zu späteren Stasi-Leuten machte dieser keinen Hehl aus seiner Tätigkeit, erwies sich im Gegenteil als toleranter, lebensfroher Zeitgenosse. Da wir es auch in seiner Gegenwart nicht unterließen, politische Witze zu erzählen, Missstände in der DDR zu kritisieren oder Gespräche mit Touristen aus der BRD zu führen, wir aber nie eine Konsequenz daraus erfuhren, nehme ich an, dass er seine Spitzeltätigkeit wohl in Grenzen gehalten hat.

3. Beitrag

Alle erzählen gern von ihren Urlaubserlebnissen. Die Kunst der Berichterstatter besteht aber darin, die individuellen Erlebnisse im rechten Maß mit allgemeingültigen und allseitig interessierenden Ereignissen zu verbinden. Aus der Vielzahl der Geschichten, die ich in unserer nunmehr fast sechzigjährigen Ehe bei Reisen, Urlaub und Ferien erlebte, will ich über ausgewählte Geschehnisse bei Reisen ins sozialistische Ausland

berichten. Diesen nachstehenden Beitrag werde ich deshalb weitere Hinweise im „Fundbüro“ – wenn sie angenommen werden - folgen lassen. Im August 1981 hatte ich meinen 50. Geburtstag. Wir wollten einem großen Rummel mit Feierlichkeiten aus dem Wege gehen und buchten deshalb für den Monat August eine Wolgaschiffsreise. Meine Frau als Angestellte im Reisebüro übernahm hierfür eine Reiseleitung. Damit konnten wir auch in der Reisegruppe das Geburtstagsjubiläum verheimlichen. Einige Ereignisse während dieser Schiffsreise verdarben meiner Frau so gründlich den Geschmack an Reiseleitungen, dass sie künftig, trotz finanzieller Vorteile, keine solchen Belastungen mehr übernahm. Zunächst ging es per verspätetem Flug bis Moskau. Weil im Hotel nicht mehr mit unserer Ankunft gerechnet wurde, erhielten wir nur ein Behelfsabendessen ohne Getränke. Hierzu musste sich meine Frau schon die ersten Beschwerden der Reiseteilnehmer anhören. Untergebracht waren wir in einem großen Hotelkomplex in Ostankino. Dort waren ab 21 Uhr für Touristen aus „Ostländern“, d.h. ohne harte Währung, keine Gaststätten mit Getränke-, Bier- oder Alkoholausschank mehr geöffnet. Ich hatte viel Durst und wollte gern noch einen Gerstensaft trinken. In einer Bar für Ausländer erhielt ich wegen meiner deutschen Sprache eine Dose Bier ausgehändigt. Als ich mit Rubel oder DDR – Mark bezahlen wollte wurde mir die Dose, die ich gerade im Begriff war zu öffnen, wieder weg genommen. Das war mir nun doch zu viel und ich verlangte den Direktor zu sprechen. Es begann eine Odyssee, denn ich wurde von Leiter zu Leiter geschickt und keiner fühlte sich zuständig. Durch meine Beharrlichkeit erreichte ich schließlich, dass ich in einer Betriebskantine für höhere russische Angestellte noch zwei Flaschen Moskauer Bier kaufen konnte. Uns wurde wieder einmal der große Unterschied zwischen „Ost“- und „West“- Touristen sehr deutlich bewusst. Aber auch in der sozialistischen Sowjetunion sah ich „höhere und niedere“ Angestellte sehr unterschiedlich behandelt, denn in der Kantine für das allgemeine Volk gab es auch keinen Alkohol mehr.

 

4. Beitrag

Ab 1974 arbeitete meine Frau als Exponentin im DER – Reisebüro, Geschäftsstelle Erfurt. Mit dieser Arbeitsstelle ergaben sich gleichzeitig Möglichkeiten, günstig an begehrte Auslandsreisen heran zu kommen; allerdings auch grundsätzlich nur ins sozialistische Ausland. Reisen nach Jugoslawien oder Kuba, die hin und wieder an „Zuverlässige“ vergeben wurden, erhielten wir jedoch ohne Begründung auch nicht. Heute vermuten wir, dass wir bei der Prüfung durch die staatlichen Sicherheitsorgane durchfielen. Das erste ergatterte Schnäppchen war im Juli 1974 ein vierzehntägiger Urlaubsaufenthalt in Zakopane in der polnischen „Hohen Tatra“. Wir konnten mit Privat – PKW anreisen und dabei unterwegs noch einige Sehenswürdigkeiten in bekannten Gegenden und vor allem die geschichtsträchtige Stadt Krakau besuchen. Mit von der Partie war unsere jüngste Tochter, die diese Reise als Obolus für ihren sehr guten schulischen Abschluss der 10. Klasse der Oberschule erhielt. Um unterwegs preiswert zu übernachten, nahmen wir unsere Zeltausrüstung mit. Nach heutigen Gesichtspunkten waren unser Zelt und Zubehör recht primitiv; wir nahmen das in Kauf, weil wir außerdem günstig ohne „Reisegruppenzwang“ reisen konnten. In Zakopane machten wir die Bekanntschaft eines westdeutschen Ehepaares, das im gleichen Hotel wohnte, aber hinsichtlich Verpflegung und gesamten Service uns gegenüber bevorzugt wurde. Wir spürten auf allen unseren Reisen, also auch in unseren „Freundesländern“, dass unsere DDR-Mark viel weniger galt als die D-Mark. Der Herr, der einen 240 er Mercedes besaß, interessierte sich sehr für unseren Trabant. Wir unternahmen einen gemeinsamen Ausflug in die Berge und er ließ mich vorausfahren, weil er meinte, das schnellere Auto zu haben. Er war erstaunt: In der kurvenreichen bergigen Strecke konnte er kaum Anschluss halten. Autos waren immer beliebte Gesprächsthemen zwischen den Bürgern der beiden deutschen Staaten, wenn wir uns in Urlaubsorten zufällig trafen. Eine weitere Touristin aus der BRD, die wir kennen lernten, schlug alle Warnungen zum „Schwarzumtausch“ von Geld in den Wind. Sie tauschte auf dem Flohmarkt 500 DM-West in Zloty um und zeigte uns dann mit Tränen in den Augen, dass sie nur „Blüten“ erhalten hatte. Sie konnte wegen des „Schwarzhandels“ nicht einmal Anzeige erstatten und bat auch uns um Stillschweigen. Solche Begegnungen in den Urlaubsgebieten der sozialistischen Länder mit Westdeutschen waren für uns immer eine gewisse Angstpartie, weil wir nicht wussten, ob wir vielleicht beobachtet würden. Ich habe jedoch nie Konsequenzen erfahren.

 

5. Beitrag

Seit 1960 bis zur Wende 1989 gelang es uns, ungefähr alle 1 - 2 Jahre Urlaubsplätze bzw. Reisen in sozialistische Länder zu erhalten. Wir waren ein oder mehrmals in Moskau, Leningrad, Prag, Budapest, Sotschi, Jalta, in der Hohen Tatra und im Riesengebirge in der CSSR und am Plattensee in Ungarn. Beschreiben will ich nun Erlebnisse während eines Kururlaubs in Jachymov in der CSSR vom 24.August bis 14. September 1989. Die Mehrzahl der Gäste in unserem Kurhotel kamen aus der Bundesrepublik; nur eine Minderheit aus der DDR und der CSSR. Uns kostete der dortige Kuraufenthalt pro Person 2100.- Mark der DDR, die Bundesbürger bezahlten in Westmark nur knapp 50% dieser Summe. Wir fragten uns: Warum hatten wir das Glück in einem Heim zu kuren, in dem kein Unterschied zwischen Kurgästen aus Ost und West gemacht wurde? denn Komfort und Service entsprachen den höheren Ansprüchen der westdeutschen Gäste. Wir waren sehr misstrauisch: Wurden wir vielleicht beobachtet, wie wir uns gegenüber den Bürgern der BRD verhalten? Allein die mögliche Gefahr empfanden wir als Unfreiheit. Trotzdem gaben wir uns ganz natürlich, sagten offen unsere Meinung und schlossen eine Bekanntschaft mit einem Ehepaar aus dem Saarland. Konsequenzen daraus habe ich nie erfahren. Ich weiß bis heute nicht, ob unsere Befürchtungen an sich unbegründet waren oder ob es Vorboten der sich dann überstürzenden Ereignisse im Herbst 1989 waren. Ungeachtet dessen haben wir damals heftig über die Verhältnisse dies- und jenseits der Grenze des zweigeteilten Deutschlands diskutiert. Mit großer Spannung und sehr gemischten Gefühlen verfolgten und kommentierten wir die Entwicklung zum Beispiel in Ungarn, das am 11. September 1989 die Westgrenze für ausreisewillige DDR-Bürger öffnete. Noch zu diesem Zeitpunkt kam uns nicht der Gedanke, dass innerhalb weniger Monate in Deutschland die Mauer fällt. Gemeinsam mit unseren Bekannten aus der BRD meinten wir damals, dass in der DDR über eine realistische und offene Einschätzung der politischen und ökonomischen Situation ein Weg zu mehr Demokratie (und mehr Reisefreiheit!) und zum Erstarken der Wirtschaft gefunden werden muss. Das Ehepaar fuhr einem Mittelklasse Opel mit vielen Raffinessen, die mich sehr interessierten. Höhepunkt: Ich durfte das Auto während eines gemeinsamen Ausflugs nach Karlbad fahren, der Mann verlangte als Gegenleistung mit unserem Trabi zu fahren; er lobte den Kleinwagen und meinte, es sei das richtige Zweitfahrzeug für Einkaufstouren. Bei diesem Tun saß mir die Angst im Nacken; ich malte mir aus, was passiert, wenn ich beobachtet und Meldung an meine Arbeitsstelle erfolgen würde. Alles blieb aber ohne Folgen.

Fahrt mit Zeltausrüstung und Trabi in die Hohe Tatra

Auf einem Zeltplatz in Krakau diente die Kofferklappe unseres Trabi als Frühstückstisch. Die Zeltübernachtungen waren primitiv, sie ermöglichten aber ohne „Reisegruppenzwang“ das sozialistische Ausland kennen zu lernen.

Mit diesem „311er Wartburg“ begaben wir uns 1961 auf eine Urlaubsreise nach Bulgarien ans Schwarze Meer. Ein damals in der DDR sehr begehrter Fahrzeugtyp, der robust war, eine gute Straßenlage aber schlechte Federung hatte. Wir überstanden die lange Fahrt ohne Pannen aber mit strapazierten Rücken. Die anderen Reiseteilnehmer mit F9, Skoda und uraltem VW hatten manche Probleme.